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16 September

Abriss alter Bauhof und Planung Mehrzweckgebäude

Erneut befasste sich der Niederzissener Gemeinderat eingehend mit einem Bauvorhaben, das seit rund einem Jahr in der öffentlichen Diskussion steht und das als i-Tüpfelchen die Neugestaltung des Marktplatzes abrunden soll: ein Neubau auf der Fläche, auf dem zurzeit noch der alte Bauhof steht. Doch die alles entscheidende Frage wurde auch in dieser Ratssitzung noch nicht beantwortet: Soll das geplante Mehrzweckgebäude eine Gastronomie beherbergen oder nicht?

Ortsbürgermeister Rolf Hans berichtete über Gespräche mit Vertretern des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, der Kreisverwaltung und Beratungsfirmen. Der Tenor sei übereinstimmend gewesen: Es sei ein schwieriges Unterfangen, einen geeigneten Pächter für einen Gastronomiebetrieb zu finden. Das haben auch die Gespräche gezeigt, die von den Ratsfraktionen direkt mit Gastronomen geführt wurden. Es bestehe jedoch die Möglichkeit, ein Gutachten in Auftrag zu geben, in dem die Voraussetzungen geprüft würden, sagte der Gemeindechef. Die Kosten der Expertise bezifferte er mit rund 6000 Euro.

Architekt Michael Unger aus Bad Neuenahr-Ahrweiler stellte den Mandatsträgern indes schon insgesamt vier Bauvarianten vor, zwei davon mit möglichem Gastronomiebetrieb. Als Standorte für das Gebäude kommen demnach zwei Flächen infrage: eine direkt an der Straße, die andere im rückwärtigen Bereich des Areals. Die Kosten bewegen sich zwischen 450 000 Euro und 700 000 Euro - je nach Bauvariante. Das würde jedoch den Rahmen sprengen, den sich der Rat selbst gesetzt hat: „Die festgelegten 400 000 Euro als Obergrenze sind für uns bindend“, sagte der Ortsbürgermeister.

In einer ausführlichen Stellungnahme brachte Dagmar Schmitz für die Wählergruppe Doll das Dilemma auf den Punkt: „Wir haben schon damals darauf hingewiesen, dass eine Beschlussfassung für ein Mehrzweckgebäude nicht zielführend ist, wenn der Zweck des Gebäudes nicht klar definiert ist.“ Es gehe zuerst darum zu prüfen, ob eine gastronomische Nutzung überhaupt eine realistische Option wäre. „Wir vertreten die Auffassung, dass die Gemeinde ein angepasstes, öffentliches Interessenbekundungsverfahren im Sinne oder angelehnt an die Bundeshaushaltsordnung durchführen sollte, um so eine Basis für eine Entscheidung zu bekommen. Nur wenn sich daraufhin geeignete Interessenten mit attraktiven Konzepten bewerben, macht es Sinn, das Für und Wider einer Gastronomie am Marktplatz näher zu beleuchten“, so die Vertreterin der WG Doll.

Die Wählergruppe will sich aber eine Entscheidung über die Gastronomiefrage offenhalten - selbst wenn in dem Verfahren ein Investor oder Pächter mit tragfähigem Konzept gefunden würde. Denn es seien auch danach noch viele Aspekte zu beleuchten: die Kosten, die möglichen Fördermittel, die Belange der Anwohner, die Art der Gastronomie, sonstige Zwecke des Gebäudes, mögliche Konflikte zwischen Vereinen und Pächtern oder die gemeinsame Nutzung der öffentlichen Toilettenanlage. Die Vertreter der beiden anderen Ratsfraktionen, Stefan Schiele (CDU) und Andy Schmitt (SPD), waren sich jedoch einig, dass die vorliegenden Planentwürfe für die weiteren Überlegungen sehr hilfreich sind.

Wie geht´s also jetzt weiter? Der Ortsbürgermeister wird als Nächstes in Zusammenarbeit mit der VG-Verwaltung ein Musterschreiben verfassen, in dem das geplante Bauprojekt vorgestellt wird. Adressaten sind gastronomische Betriebe im Kreis Ahrweiler. Danach soll eine Entscheidung getroffen werden, ob eine Gastronomie an den Marktplatz kommt oder nicht. Fest steht indes eines, egal welche Variante der Rat wählt: Mit dem Abriss des alten Bauhofes verschwinden auch die öffentlichen Toiletten am Marktplatz. Und für die muss angesichts der Veranstaltungen, die hier regelmäßig stattfinden, unbedingt Ersatz geschaffen werden. Die nächste ist der Nikolausmarkt. Dann wird man sich mit einem Toilettenwagen behelfen müssen, weil bis dahin der alte Bauhof wohl abgerissen ist.

Bild: Einen schönen Anblick bietet der alte Niederzissener Bauhof schon lange nicht mehr. Er wird bald abgerissen. Aber noch immer steht nicht fest, welchem Zweck das Nachfolgegebäude dienen soll.

Fotos: ©Hans-Willi Kempenich
Text:   ©Hans-Willi Kempenich
Zuletzt aktualisiert: Montag, 16. September 2019 08:39